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Klassische Seminarformen haben ausgedient. Flexible Lernkonzepte sind gefragt!
27.01.2010 von Herbert Haberl (Kommentare: 0)
Stellen Sie sich einmal folgendes Szenario vor:
Am Ende eines Seminars kommt es durchaus vor, dass die Teilnehmer erfreut von sich geben, es sei spannend, interessant und kurzweilig gewesen und ihnen sei bewusst geworden, was sie noch tun können. Und wohlig gestimmt kehren sie in ihrTagesgeschäft zurück - und tun dann nichts oder kaum etwas von dem, was sie als wichtig erkannt haben.
Der Lerntransfer bleibt auf der Strecke.
77 Prozent der Seminarteilnehmer gelingt es nicht, gelernte Inhalte in ihren Arbeitsalltag zu transferieren, hat Professor Sabine Seufert vom Swiss Centre for Innovations in Learning in einer Studie herausgefunden. Professor Harald Geißler vom Lehrstuhl für Berufs- und Betriebspädagogik an der Hamburger Bundeswehr-Universität ist überzeugt, dass die Praxisumsetzung von Trainings bei zehn bis 20 Prozent liegt.
Das Paradoxe daran ist, dass die Mitarbeiter eigentlich hoch motiviert in die Schulung gehen sollten, um das Gelernte zum Wohle des Unternehmens nachhaltig umzusetzen. Denn: Weiterbildung ist für 90 Prozent der Arbeitgeber wichtig oder sehr wichtig. Das ist das zentrale Ergebnis der Befragung "Weiter durch Bildung", die das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag der Bundesagentur für Arbeit durchgeführt hat. Befragt wurden dafür 1000 Entscheider aus dem Bereich Weiterbildung und Personalentwicklung in Unternehmen.
Die Wichtigkeit ist unbestritten. Die Wirtschaft lässt sich Weiterbildung auch einiges kosten. Jüngsten Zahlen zufolge investieren gut 84 Prozent der deutschen Unternehmen in betriebliche Weiterbildung. Das sind hochgerechnet fast 27 Milliarden Euro, so das Ergebnis der fünften Weiterbildungserhebung des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln, die in Trainings und Informationsveranstaltungen, aber auch ins Lernen am Arbeitsplatz fließen. Darin enthalten sind die direkten Kosten für Veranstaltungen, aber auch indirekte Ausgaben wie Reisekosten. Seminare sind das häufigste Ziel von Geschäftsreisen, belegt eine aktuelle Studie der Fachhochschule Bad Honnef und des Marktforschungsinstituts Infas.
Die erschütternde Erkenntnis ist: Etwa 80 Prozent davon sind sinnlos verbrannt, weil der Lerntransfer nicht stattfindet. Das sind satte 21,6 Milliarden Euro.
Auszug aus: sueddeutsche.de, Ressort: Job & Karriere, URL: /jobkarriere/777/450498/text/
Das Problem ist also der Lerntransfer. Diesem Problem kann man durch flexible Lernkonzepte, Blended Learning, begegnen.
Blended Learning ist eine Mischform aus Präsenztraining und computergestütztem Lernen. Entscheidend für die Nachhaltigkeit solcher Trainingsmaßnahmen ist die enge Verzahnung zwischen den beiden Trainingsmethoden. Für den computergestützten Teil des Blended Learning ist charakteristisch, dass die genutzten Lernsysteme und -materialien:
- in digitalisierter Form dargeboten werden
- sich durch Multimedialität auszeichnen
- Interaktivität zwischen dem Lernenden und dem System, dem Medium unterstützen und
- elektronisch und /oder online für den Nutzer direkt verfügbar sind
Lernende können beim Blended Learning in beliebiger Reihenfolge auf die angebotenen Inhalte und Präsentationsmedien zurückgreifen. Dadurch bieten sich vielfältige Möglichkeiten, die medial dargestellten Inhalte zu strukturieren und für das individuelle Lerntempo einer Person aufzubauen.
Bei der Entwicklung eines multimedialen Lernprodukts ist darauf zu achten, dass neben der Vermittlung von Wissen auch die Eigenaktivität der Lernenden gefördert wird. Das kann erreicht werden, durch:
- die konzeptionelle Verzahnung von präsenz- und computergestützten Inhalten
- die Einbettung der Inhalte in authentische Situationen unterschiedlichen Schwierigkeitsgrades
- das Angebot von mehreren Perspektiven eines Sachverhaltes
- die Anregung zum "Learning by doing"
- die Möglichkeit zum Austausch mit anderen Lernenden
- die Möglichkeit der Selbstreflexion über die entsprechenden Lösungen und Lösungswege
- die Optimierung des Lerntransfers
Damit sollen nachhaltig wirkende Lernprozesse angestoßen, geleitet und unterstützt werden. Hauptbestandteile solcher Blended Learning Umgebungen sind, neben den sorgfältig abgestimmten Lerninhalten der Präsenzmaßnahmen, Inhalte in Form von Texten, Bildern, Animationen, Audio, Video, und Kommunikationstools wie E-Mail, Chat, usw.
Dabei ist es besonders wichtig, dass:
- der Zugang zu den Lerninhalten zeitlich und räumlich nicht beschränkt ist
- dynamische, abwechslungsreiche und aktuelle Inhalte verfügbar sind
- die Interaktion mit Lehrern und anderen Lernenden möglich ist
- die Inhalte jederzeit und schnell erweiterungsfähig sind
- der Lehrer die Möglichkeit zur Verfolgung von Performance und Lernergebnissen hat
- eine Anpassung an individuellen Lernstile und Lerngeschwindigkeiten berücksichtigt werden und
- auf der Benutzerseite standardisierte Hardware und Software eingesetzt werden kann
Soweit zu unserer These. Welche Erlebnisse und Ergebnisse haben Sie mit ihren bisher angewandten Lernverfahren?
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